CMV, B19, Toxoplasmose und Listeriose-Test

CMV –  Cyto-Megalie-Virus, B19 – Erreger der Ringelröteln, Toxoplasmose  und Listeriose sind Infektionen, die in der Schwangerschaft beim Feten eine mehr oder weniger starke Infektion verursachen können.

Das Cytomegalie-Virus (CMV) ist weltweit verbreitet. Viele Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens, aber meist verläuft die Infektion harmlos und wird nicht bemerkt.

Etwas mehr als die Hälfte aller Schwangeren in Deutschland hat noch keine Cytomegalie-Infektion durchgemacht (sero-negativ).

Zwischen 0,5 und 1 Prozent dieser Frauen steckt sich kurz vor oder während der Schwangerschaft erstmalig mit CMV an. Mögliche Anzeichen der Infektion können Fieber, eine Schwellung der Lymphknoten, Kopf- und Gliederschmerzen sein. In den meisten Fällen bleibt die Infektion jedoch von der Schwangeren gänzlich unbemerkt.

Eine Schwangere, die erstmals mit dem Virus in Kontakt kommt, verfügt über keine „Abfangjäger“ im Blut, d. h. sie hat keine Antikörper gegen die Cytomegalie-Viren. Infolgedessen breiten sich diese im Körper aus, vermehren sich und werden über die BlutbahneEin einfacher Bluttest gibt Sicherhein in die Organe geschwemmt. So können sie auch über den Mutterkuchen zum Kind gelangen. In etwa 40 Prozent der Fälle kommt es dann zur Infektion des Kindes. Aber nur der kleinere Teil diese Kinder erkrankt an Cytomegalie.

Ein einfacher Bluttest gibt hier Sicherheit. Er muss etwa alle sechs Wochen wiederholt werden, wenn sich herausstellt, dass die Schwangere seronegativ ist. Die Kosten muss die werdende Mutter allerdings selbst tragen, denn (noch) ist dieser Test nicht Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien. Wird eine CMV-Erstinfektion bei der Frau diagnostiziert, so kann das ungeborene Kind vorsorglich durch eine Immunglobulingabe (der Mutter) behandelt werden.

Wie alle anderen Herpesviren auch, bleibt das Virus nach der Infektion lebenslang im Körper, z. B. in den Zellen der Speicheldrüsen oder der Lunge. Wenn das Immunsystem durch Krankheit oder Medikamente geschwächt ist, kann das Virus wieder aktiv werden (Reaktivierung). Das gibt es manchmal auch in der Schwangerschaft, jedoch bei weitem nicht mit so schweren Folgen wie bei einer Erstinfektion. In etwa 2 Prozent der Fälle hat eine Reaktivierung des Virus auch eine Übertragung auf das Kind zur Folge, dadurch können später z. B. Hörstörungen beim Kind auftreten.

Das größte Risiko für schwere Krankheitsverläufe beim Kind besteht bei einer Erst-infektion im 1. Schwangerschaftsdrittel (1. Trimenon).

Geringer, aber noch vorhanden ist es im 2. Trimenon. Die vertikale Übertragung des Virus (von der Mutter aufs Kind) ist zwar gerade im 3. Schwangerschaftsdrittel sehr hoch (64-77%), allerdings sind die Kinder ohne Krankheitssymptome.

 

Während der Schwangerschaft kann das Parvovirus B19 – Erreger der Ringelröteln in etwa einem Drittel der Fälle über den Mutterkuchen (Plazenta) auf das Ungeborene übertragen werden. Das Virus befällt beim Kind insbesondere die Zellen, die die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) bilden und zerstört diese schließlich. Besonders die blutbildenden Zellen in Leber und Knochenmark sind betroffen mit der Folge, dass es zu einer starken Verringerung leistungsfähiger roter Blutkörperchen und damit zu einer schweren Blutarmut (Anämie) beim Ungeborenen kommt (rund zehn Prozent). Häufige Begleiterscheinungen sind der Hydrops fetalis (rund zehn Prozent), Aszites, Abfall der Herzleistung (kardiale Dekompensation) und im schlimmsten Fall kommt es zur Fehlgeburt bzw. Totgeburt (rund neun Prozent, besonders hohes Risiko bei Infektion im Zeitraum der 10. bis 22. Schwangerschaftswoche).

Das Virus kann vorgeburtlich eventuell im kindlichen Blut oder im Fruchtwasser nachgewiesen werden, dies gelingt jedoch nicht immer. Gleiches gilt für den Nachweis von Antikörpern und selbst ein Nachweis ist zum Teil bei Ungeborenen nicht aussagekräftig. Die Kontrolle der Kindesentwicklung mittels Ultraschalluntersuchungen in relativ kurzen Abständen ist daher das Mittel der Wahl zur Dokumentation des Infektionsverlaufes. Insbesondere auf die Ausbildung eines Hydrops fetalis ist hier zu achten und ggf. sind andere Ursachen wie z.B. die Rhesus-Unverträglichkeit abzuklären, damit eine eingeleitete Therapie greifen kann. Bei fetaler Anämie besteht die Therapie in der Gabe einer Bluttransfusion über die Nabelschnur.

Verläuft die Infektion ohne Komplikationen, ist in der Regel nicht mit negativen Folgen (Spätschäden) für das Kind zu rechnen, gegenwärtig gibt es keine Hinweise auf eine Parvovirus-B19-assoziierte fehlbildungsverursachende Entwicklungsstörung des Kindes (Embryopathie). Deshalb ist die Parvovirus-B19-Infektion in der Schwangerschaft auch keine hinreichende Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.

 

Die Toxoplasmose ist eine häufig auftretende Infektionskrankheit, die primär Katzen befällt. Der Erreger ist der protozooische Parasit Toxoplasma gondii, für den Katzen den Hauptwirt darstellen. Nur selten ruft die Erkrankung bei Katzen klinische Erscheinungen wie Durchfall hervor. Lediglich bei der Erstinfektion scheiden Katzen große Mengen von Eiern (Oozysten) des Erregers aus, anschließend entwickeln sie eine zumeist lebenslange Immunität.

 

Als fakultativer Zwischenwirt für den Erreger dienen alle anderen Säugetiere, einschließlich des Menschen. Auch bei diesen können Krankheitserscheinungen auftreten, die Toxoplasmose ist also eine Zoonose. Zwischenwirte können sich entweder durch Aufnahme der versporten Oozysten von Katzen (z. B. bei der Gartenarbeit durch kontaminiertes Erdreich) oder über Entwicklungsstadien des Erregers in anderen Zwischenwirten (der Mensch vor allem über rohes Schweine- und Schaf-Fleisch) anstecken. Auch die Infektion der Zwischenwirte ist zumeist ohne klinische Erscheinungen. Problematisch ist vor allem die Erstinfektion von Schwangeren, da der Erreger auf das Ungeborene übergehen und schwere Fruchtschäden verursachen kann, sowie von Individuen mit einem gestörten Immunsystem.

Bei Frauen, die einmal eine Toxoplasmose-Infektion hatten, bilden sich Antikörper im Blut. Daher sind sie normalerweise gegen eine Ansteckung immun und es besteht auch kaum eine Gefahr für den Fötus. Allerdings können diese Frauen eine sekundäre Toxoplasmose-Infektion bekommen, aber auch hier besteht kaum Gefahr für den Fötus. Mütter mit hohem Antikörpertiter gebären mehr Jungen als Mädchen.

Ein Bluttest kann feststellen, ob Antikörper gegen Toxoplasmen im Blut vorhanden sind.

Eine erstmalige Erkrankung der Mutter im ersten oder zweiten Drittel (Trimenon) einer Schwangerschaft kann zu erheblichen Schädigungen des ungeborenen Kindes führen. Die Wahrscheinlichkeit der kindlichen Infektion beträgt

  • im 1. Trimenon 15 %,
  • im 2. Trimenon 45 %,
  • im 3. Trimenon 65 bis 70 %.

Im ersten Trimenon entwickeln 70 % der infizierten Kinder eine konnatale Toxoplasmose, die meist zur Fehlgeburt führt.

Im zweiten und dritten Trimenon entwickeln 30 bzw. 10 % eine konnatale Toxoplasmose, die in 75 bzw. 90 % in eine latente Toxoplasmose übergeht und zu erheblichen Beeinträchtigungen beim Kind führt. Die infizierten Kinder können epileptische Anfälle, kognitive Einschränkungen, Schäden an der Leber, Lunge, Gehirn, Augen, Herzmuskel und Hirnhaut aufweisen. Ein Viertel der vor der Geburt infizierten Kinder durch Toxoplasma gondii haben geistige Behinderungen, Spastiken, Epilepsie, Hydrocephalus und Verkalkungen der Hirngefäße.

Die typische Trias, bestehend aus Wasserkopf, intrazerebraler Verkalkung und Chorioretinitis, wird jedoch nur bei 2 % der Betroffenen ausgeprägt.

 

 

Die Listeriose ist eine bakterielle Infektion, die im Kindesalter einen meist milden grippeähnlichen und oft unerkannten Verlauf nimmt. Bei Infektion in der Schwangerschaft kann beim ungeborenen Kind jedoch eine schwere, vielfach rasant verlaufende generalisierte Erkrankung mit oft dramatischem Ausgang resultieren. Hauptinfektionsquelle sind nicht-pasteurisierte Milchprodukte, wie z. B. Rohmilch-Käse, auf deren Verzehr in der Schwangerschaft unbedingt verzichtet werden sollte. Rechtzeitig erkannt, ist eine für das Kind unschädliche Antibiotika-Behandlung fast immer erfolgreich. Im Verdachtsfall oder bei privat bzw. beruflich belasteten Personen(z. B. in der Landwirtschaft) ist daher ein Listeriose-Test durch einfache Blutuntersuchung unbedingt empfehlenswert.

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